Archivierung von Kulturerbe

Wie heise.de schreibt, gibt es einen Antrag zur besseren Archivierung von Kinofilmen. Mir war zwar bewusst, dass das Bundesarchiv existiert, jedoch nicht, dass es auch lineare Medien archiviert.

Ich richtete heute eine E-Mail an das Archiv mit der Anfrage in welcher Weise und in welchem Umfang interaktive Werke archiviert werden. Auf deren Website war darüber1 nichts zu finden.

Die Archivierung von interaktiven Medien bedarf besonderer Sorgfalt. anders als beim Archivieren von Schriftstücken reicht es leider nicht aus, das Medium zu konservieren. Es müsste eine Infrastruktur geschaffen werden, die auch die benötigten Technologien und zugehörige Werke archiviert. Am Beispiel eines Computerspiels wird das am deutlichsten:

Ein Computerspiel wird in einer Umgebung entwickelt, die hochgradig komplex ist. Ein aktuelles Computerspiel läuft auf einem halbwegs aktuellen Computer. Ist der Computer älter als fünf Jahre, ist das schon nicht mehr selbstverständlich. Im Maßstab eines Archives, das mehrere Dekaden umspannt ist das ein ausgewachsenes Problem. Es muss also nicht nur die Diskette mit dem C64-Spiel aufbewahrt werden, sondern auch der C64 mit funktionsfähigem Laufwerk und möglicherweise entsprechende Eingabegeräte. Das Spiel kam in einer entsprechend gestalteten Verpackung mit Handbuch. Alles das ist irgendwie Teil des Gesamterlebnisses und sollte auch entsprechend archiviert werden.

Emulation2 geht mir hier nicht weit genug: Die Art des Bildschirmes und der Eingabegeräte ist ein Teil des Spiels. Dafür wurde das Spiel entwickelt. Ein heutiger Flachbildschirm mit hoher Auflösung kann kaum das Spielgefühl eines einfarbigen, gewölbten Bernstein-Monitors wiedergeben.

Schützenswert sind interaktive Arbeiten — insbesondere Computerspiele — allemal: Sie sind wie Filme eine Kunstform, die viele Künste in sich vereint. Spiel wie Film bestehen aus einem optischen Stil (den wir hier noch weiter aufklamüsern könnten), einer akustischen Komponente (ebenso), die gemeinsam eine Geschichte erzählen. Beim Spiel kommt noch die aufwändige Interaktion hinzu, die in sich eine Kunst ist. Spiele werden ebenso von vielen Spezialisten erstellt wie Filme. Es gibt für mich keinen sinnvollen Grund, warum sie nicht archiviert werden sollten.

Vor allem sollte damit jetzt angefangen werden. Ein Teil der frühen Filmgeschichte ist bereits unwiederbringlich verloren. Das gleiche muss nicht mit interaktiven Schöpfungen passieren.

  1. weder über Archivierung von Filmen noch über die von interaktiven Werken [zurück]
  2. z.B. In einem aktuellen Computer eine Spielekonsole oder einen alten Computer simulieren, auf dem dann das eigentliche Programm läuft. Beispiel: Alte Adventures in der ScummVM auf dem Handy spielen. [zurück]

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